Tularämie beim Menschen: Traubenmost war Auslöser

Die Quelle der gehäuften Infektionen mit dem Erreger der Tularämie (Hasenpest) im Kreis Mainz-Bingen ist gefunden. Sechs Personen waren erkrankt, nachdem sie Anfang Oktober an einer Traubenlese im Norden des Landkreises teilgenommen hatten. Die Ermittlungen der Kreisverwaltung Mainz-Bingen, des rheinland-pfälzischen Landesuntersuchungsamtes (LUA) in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) ergaben: Auslöser war der frisch gepresste Traubenmost, den alle Erkrankten unmittelbar nach der Lese getrunken hatten. Von dieser Partie ist nichts in Verkehr gekommen. Der Bestand wurde gesperrt und sichergestellt.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Erkrankungen waren breit angelegte Untersuchungen eingeleitet worden - sowohl bei weiteren möglicherweise betroffenen Menschen als auch bei Wildtieren und verschiedenen Lebensmitteln. Die bisher vorliegenden Ergebnisse sprechen dafür, dass nur der Traubenmost infektiöse Hasenpesterreger enthielt. Die Untersuchungen dauern noch an, aber es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass auch Folgeprodukte infektiöse Erreger enthalten.

Infektionen mit dem Erreger der Tularämie sind in Deutschland sehr selten. Überträger sind Hasen, Kaninchen und Kleinnager. Der Mensch infiziert sich durch direkten Kontakt mit erkrankten Tieren, ihren Organen oder Ausscheidungen. Der Erreger kann aber auch durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln übertragen werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt.

Nach den bisherigen Erkenntnissen gehen die Behörden davon aus, dass es sich bei dem Ereignis um einen Einzelfall handelt. Da die Lese bereits mehr als zwei Monate zurück liegt und seither keine weiteren Fälle gemeldet wurden, kann von einem Ende des Infektionsgeschehens ausgegangen werden. Weitere Erkrankungen werden nicht erwartet.

Hintergrund

In Europa ist zumeist das Bakterium Francisella tularensis Subspezies holarctica Auslöser einer Tularämie. Die Erkrankung beginnt in der Regel mit einem Geschwür an der Eintrittsstelle des Erregers, danach folgen grippeähnliche Symptome wie Fieber, Lymphknotenschwellungen, Schüttelfrost, Unwohlsein sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Tularämie lässt sich mit Antibiotika behandeln, die Heilungschancen sind sehr gut.