Bilanz Infektionsprävention 2017: Seltene Erkrankungen im Blick

Grippe oder Salmonellen kennt jeder. Diese Erreger plagen Jahr für Jahr hunderte, oft tausende Menschen in Rheinland-Pfalz, lösen teils schwere Erkrankungen mit Fieber oder Durchfall aus. Kaum bekannt dagegen sind einige seltene Zoonosen, also Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden. Ihre Bekämpfung ist Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes und damit auch des Landesuntersuchungsamtes (LUA).

In den Industrieländern konnten seltene Zoonosen durch Überwachung der Schlacht- und Lebensmittelhygiene sowie der Trinkwasserqualität weitgehend zurückgedrängt werden. In Weltregionen mit niedrigen Hygienestandards und schwachen Gesundheitssystemen treten durch Tiere übertragene Infektionen wie die Hasenpest oder das Q-Fieber deutlich häufiger auf.

Dennoch: Einige Zoonosen sind weiterhin in Rheinland-Pfalz heimisch. Nicht Lebensmittel, sondern der direkte Kontakt mit Wild- und Nutztieren, deren Kadavern oder Ausscheidungen sind für diese Infektionen der typische Übertragungsweg auf den Menschen. Da sie sehr selten auftreten, sind sie den meisten Bürgern gar nicht bekannt. Auch Ärzte beziehen seltene Zoonosen bei unklaren Beschwerden häufig nicht in ihre diagnostischen Erwägungen ein, wodurch sich die Diagnose mitunter verzögert.

Deshalb ist die Überwachung solcher Erkrankungen mithilfe des im Landesuntersuchungsamt angesiedelten landesweiten Meldesystems für Infektionskrankheiten ein sehr wichtiger Beitrag zur Information medizinischer Fachkreise und der Öffentlichkeit. In den letzten Jahren haben die Epidemiologen des LUA mehrere Ausbrüche von seltenen Zoonosen in Rheinland-Pfalz erkannt und gemeinsam mit den zuständigen Gesundheits- und Veterinärämtern eingedämmt.

Zu den seltenen Zoonosen, die dem LUA im Jahr 2017 gemeldet worden sind, gehören Q-Fieber (10 Fälle), Hasenpest (3 Fälle) und Infektionen mit  Hantaviren (49 Fälle).

Q-Fieber

Q-Fieber kommt hauptsächlich bei Schafen, aber auch anderen Paarhufern wie Rindern und Ziegen  vor. Der Erreger, das Bakterium Coxiella burnetii, ist sehr widerstandsfähig und kann lange in feuchtem Boden, Staub, Heu oder Wolle überdauern. Insbesondere während des Ablammens von Mutterschafen werden große Mengen dieses Bakterium freigesetzt. Durch Windverwehungen können sich zum Beispiel in den an Weiden angrenzenden Wohngebieten über das Einatmen von Aerosolen (Gemisch aus winzigsten Tröpfchen und Schwebeteilchen) mehrere Menschen gleichzeitig infizieren.

Q-Fieber äußert sich mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. In schweren Fällen tritt eine Lungen- und Leberentzündung auf. Eine besonders gefährdete Gruppe sind Schwangere, bei denen Q-Fieber mit einem erhöhten Risiko für Fehl- und Frühgeburten verbunden ist. Eine gefürchtete Komplikation des Q-Fiebers ist die chronische Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis). Menschen mit Veränderungen an den Herzklappen oder künstlichem Herzklappenersatz sind hier besonders gefährdet. Zur Behandlung der Erkrankung stehen aber Antibiotika zur Verfügung.

  

Im Jahr 2017 traten in Rheinland-Pfalz 10 Meldefälle von Q-Fieber über das Jahr und die Kreise sporadisch verteilt auf. Im Jahr 2014 waren in einer kleinen Gemeinde in der Südpfalz 13 Bewohnerdurch eine Q-Fieber-positive Schafherde infiziert worden. 16 weitere Personen infizierten sich durch Schafprodukte. Mit Unterstützung  des Landesuntersuchungsamtes konnte der Ausbruch durch die örtlichen Behörden rasch eingedämmt werden.

Tularämie

Die Tularämie, auch Hasenpest genannt, wird durch das Bakterium Francisella tularensis verursacht und zirkuliert in Nagetieren, Hasen und Kaninchen. Der Erreger ist sehr widerstandsfähig und kann lange Zeit auch außerhalb seiner Wirtstiere überleben. Beim Menschen führt die Infektion zu einer starken Schwellung der Lymphknoten begleitet von Fieber und allgemeinen Krankheitssymptomen wie Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit.

2017 wurden dem Landesuntersuchungsamt 3 sporadische Fälle von Tularämie gemeldet. Alle Personen hatten sich waldnah infiziert. Bei einer Person hatte das Einatmen des Erregers beim Reinigen einer Hütte zu einer Infektion der Lunge geführt. 

2016 hatten sich im Rahmen eines Ausbruchs 6 Personen in Rheinhessen infiziert, wahrscheinlich durch den Verzehr von kontaminiertem frisch gepresstem Most. In dem Most wurden später genetische Spuren sowohl von Tularämiebakterien als auch von einer Waldmaus gefunden. Man vermutet, dass eine an Tularämie erkrankte Maus mit den Trauben gepresst worden war.

Hantavirus

Hantaviren kommen weltweit vor. Die Erreger infizieren Nagetiere, die selbst zwar nicht erkranken, die Viren aber über ihre Ausscheidungen in der Umwelt verbreiten. Die Infektion des Menschen erfolgt häufig über mit Urin und Kot kontaminierten Staub. Das Hauptreservoir in Deutschland ist die Rötelmaus, so dass die Erkrankung häufig Waldarbeiter und Menschen mit Kontakt zum Wald betrifft. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung wurde für den in Deutschland vorkommenden Typ des Hantavirus bisher nicht beschrieben.

Viele Infektionen verlaufen ohne oder nur mit leichten grippalen Symptomen. Schwerere Verläufe sind durch abrupt einsetzendes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein vorübergehendes Nierenversagen gekennzeichnet, das im Einzelfall eine Dialyse notwendig macht.

Grundsätzlich gilt: Je größer die Populationen der Rötelmäuse, desto mehr Hantavirus-Infektionen treten auf. Darüber hinaus bestimmt die Witterung maßgeblich das Auftreten dieser Infektion: Je wärmer und trockener es ist, desto mehr Menschen sind im Freien unterwegs. Aus diesen Gründen treten die meisten Hantavirus-Infektionen zwischen Frühling und Herbst und in Jahren mit großem Nahrungsangebot für Rötelmäuse (die sogenannte Buchenmast) auf.

Mit 49 gemeldeten Fällen im Jahr 2017 verzeichnete das Landesuntersuchungsamt 42 Fälle mehr als im Vorjahr. Es ist damit das zweitstärkste Hantaviren-Jahr (nach 2012 mit 79 Fällen) seit Beginn der Meldepflicht im Jahr 2001. Am häufigsten wurden Hantaviren-Infektionen in Bad Dürkheim (7), Ahrweiler (6), Mayen-Koblenz, Bad Kreuznach und im Westerwaldkreis (je 5) gemeldet. Im Vergleich zu Baden-Württemberg (807 Fälle im Jahr 2017) ist das Hantavirus-Risiko in Rheinland-Pfalz jedoch gering.

Wie kann ich mich schützen?

Die gute Nachricht: Jeder kann sich vor seltenen Infektionen schützen wenn er in der Freizeit und rund um sein Heim einige Regeln befolgt.

  • Das häusliche Umfeld und für Freizeitaktivitäten genutzte Gelände und Liegenschaften von Nagern (Mäuse, Ratten, etc.) freihalten. Hierzu sollten Abfälle, vor allem Essensreste, nicht ungeschützt im Freien stehen, auch nicht auf dem Kompost.

  • Bei der Reinigung von mit Nagerausscheidungen und/oder Nagerkadavern potentiell kontaminierten Räumen (Keller, Dachböden, Scheunen, Hütten) persönliche Schutzausrüstung tragen, dazu gehören Atemschutz, Handschuhe und Schutzbrille. Während der Arbeit nicht essen, trinken oder rauchen und nach getaner Arbeit die Hände gründlich reinigen. Bei starker Verschmutzung der Räume mit Nagerkot sollte die professionelle Reinigung durch einen Desinfektor erwogen werden.

  • Kontakt zu Kadavern und Exkrementen von Wild- oder Nutztieren vermeiden. Zuständiges Forst- oder Veterinäramt umgehend über den Fundort verendeter Tiere wie zum Beispiel tote Feldhasen informieren. Kadaver von toten Mäusen im häuslichen Bereich sollten nicht angefasst beziehungsweise nur mit Handschuhen angefasst und in einer verschlossenen Plastiktüte mit dem Hausmüll entsorgt werden.

  • Rohe Lebensmittel vor dem Verzehr schälen oder kochen.