Infektionsbilanz 2018: Kampf gegen Antibiotikaresistenzen

Sie sind eine der größten Herausforderungen für die Medizin und den Öffentlichen Gesundheitsdienst: Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind und dadurch die Gesundheit von Patienten bedrohen. Zwar gibt es auch in Rheinland-Pfalz meldepflichtige Infektionen durch mehrfach-resistente Bakterien – ihre Zahl liegt aber mit insgesamt 291 Fällen im vergangenen Jahr unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Ein Ergebnis, das auch der konsequenten Hygiene in medizinischen Einrichtungen und deren Überwachung durch die Gesundheitsbehörden geschuldet ist, wie das Landesuntersuchungsamt (LUA) in seiner Infektionsbilanz für 2018 feststellt.

Antibiotika hindern Bakterien daran, sich zu vermehren, oder sie machen ihnen sogar komplett den Garaus. Allerdings haben Bakterien die Eigenschaft, gegen Antibiotika unempfindlich zu werden. Und sie beherrschen darüber hinaus einen fatalen Trick: Durch Weitergabe eines kleinen Stücks an Erbinformation können sie ihre Resistenz an andere Bakterienarten weitergeben. Lebensrettende Medikamente werden dadurch unwirksam.

Das Problem ist so drängend, dass die Weltgesundheitsorganisation bereits einen Aktionsplan ins Leben gerufen hat, um der Entwicklung entgegenzutreten. Auch Rheinland-Pfalz hat seine Hygieneverordnung dahingehend verändert, dass die Hygiene in medizinischen Einrichtungen gestärkt wird. Das Ziel aller Bemühungen ist es, neue Krankenhausinfektionen zu verhindern und gleichzeitig die Entstehung und Weiterverbreitung resistenter Bakterien einzudämmen. Konkrete Maßnahmen hierzu sind zum Beispiel, medizinisches Personal in konsequenter Händedesinfektion zu schulen und die Sterilisation von Instrumenten zu optimieren. Außerdem sollten Antibiotika nur noch dann verschrieben werden, wenn es wirklich notwendig ist.

Kommt es dennoch zu Infektionen mit multiresistenten Bakterien, werden diese vom LUA statistisch erfasst: Bereits seit mehreren Jahren besteht eine gesetzliche Meldepflicht für den Nachweis von methicillin-resistenten Staphylococcus aureus in Blut oder Liquor (Nervenwasser/Gehirnwasser) von Patienten. MRSA ist ein überwiegend über Haut, Hände und Oberflächenkontakte übertragenes Bakterium, das mehrfach resistent insbesondere bei vorerkrankten Menschen vorkommt und schwere Lungenentzündungen oder Blutstrominfektionen hervorrufen kann.

Seit Beginn der Meldepflicht ist die Zahl dieser Infektionen kontinuierlich zurückgegangen: Im Vergleich zum Jahr 2010 hat sich die Zahl der MRSA-Infektionen etwa halbiert - 2018 wurden in Rheinland-Pfalz 72 Fälle gemeldet. Bezogen auf die Bevölkerung erkranken derzeit statistisch gesehen jährlich 1.77 von 100.000 Rheinland-Pfälzern an einer MRSA-Infektion; 2010 waren es noch 3.95 gewesen. Damit liegt Rheinland-Pfalz auch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 2.93 MRSA-Infektionen pro 100.000 Einwohner.

Seit Mai 2016 sind auch Infektionen und eine Besiedlung mit gram-negativen Bakterien mit einer Resistenz gegen Reserveantibiotika aus der Gruppe der Carbapeneme meldepflichtig. Aufgrund der kurzen Beobachtungszeit ist eine Trendanalyse zwar wenig aussagekräftig - allerdings lohnt sich ein Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt: Für die beim gesunden Menschen überwiegend im Magen-Darm-Trakt vorkommenden Enterobacteriaceae wurden 2018 in Rheinland-Pfalz 192 Nachweise übermittelt. Das entspricht 4.71 Erregernachweisen pro 100.000 Bürger. Der Wert liegt in etwa auf dem gleichen Niveau wie das durchschnittliche Meldeaufkommen in Gesamtdeutschland (4.58 pro 100.000).

Für Acinetobacter, einem in der Umwelt weit verbreiteten Bakterium, das ebenfalls den gesunden Menschen besiedeln und in Einzelfällen schwere Infektionen auslösen kann, wurden 2018 in Rheinland-Pfalz 27 Nachweise von Bakterien mit einer Unempfindlichkeit gegenüber Carbapenem-Antibiotika gemeldet, was einer Häufigkeit von 0.68 pro100.000 Bürgern entspricht. Zum Vergleich: Im Bundesgebiet wurden im Durchschnitt 0.92 Nachweise pro 100.000 Einwohner gemeldet.

Vereint im Kampf gegen Resistenzen

Multiresistente Erreger (MRE) sind ein Problem im gesamten Gesundheitswesen; ihre Bekämpfung gelingt deshalb am besten im Verbund. In Rheinland-Pfalz gibt es inzwischen neun regionale MRSA- bzw. MRE-Netzwerke (regionale und überregionale Kooperationen), in denen Resistenzen interdisziplinär angegangen werden. Es sind Kooperationen der verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen: Krankenhäuser, Arztpraxen, Alten- und Pflegeheime, Rettungsdienste und Laboratorien. Den Gesundheitsämtern kommt die Rolle von Moderatoren zu, da sie direkte Berührungspunkte zu allen Beteiligten haben. Durch den Informations- und Erfahrungsaustausch wird eine Basis zur besseren Prävention von Infektionen geschaffen. Das LUA hat beim MRE-Netzwerkthema die Funktion einer koordinierenden Stelle der Netzwerkarbeit in Rheinland-Pfalz.

Die ausführliche Infektionsbilanz mit Zahlen, Daten und Fakten für das Jahr 2018 finden Sie bei unseren Publikationen.