Mehr als 5.000 Betriebskontrollen: Bilanz der Weinüberwachung 2019

Viele Beanstandungen bei der Kennzeichnung, aber auch einige schwerwiegende Verstöße – so lautet das Resümee der Jahresbilanz 2019 des Landesuntersuchungsamtes (LUA) zur Weinüberwachung. Um die redlich arbeitenden Winzer und Kellereien vor den schwarzen Schafen der Branche zu schützen, haben die Wein-Spezialisten des LUA im vergangenen Jahr 5.149 Kontrollen bei Betrieben vor Ort durchgeführt und 4.272 Proben im Weinlabor untersucht. Dahinter steht eine überprüfte Menge In- und Auslandswein von rund 30 Millionen Litern. Ergebnis: 383 Proben (9 Prozent) wurden beanstandet.

Schwerwiegende Verstöße kommen vor, sind im Verhältnis aber eher selten: 80 Proben (1,9 Prozent) mussten wegen Grenzwertverstößen oder unzulässiger Weinbehandlung aus dem Verkehr genommen werden. Zu den schwerwiegenden Weinverfälschungen gehörten im vergangenen Jahr unter anderem Versuche, Weine durch Zugabe von Aromen, technischem Glycerin, Zucker oder Wasser aufzuwerten um eine bessere Qualität vorzutäuschen. Auch der Verschnitt von Rot- und Weißweinen, um das Ergebnis als Rosé-Wein zu verkaufen, fällt in diese Kategorie.

Weinerzeugnisse, die gesundheitliche Schäden beim Menschen hätten auslösen können, wurden dagegen nicht festgestellt. Der deutlich überwiegende Teil der Proben musste wegen bezeichnungsrechtlicher Verstöße beanstandet werden.

Kellerei kaufte Schwarzmengen

Dieser Fall hielt die Weinbrache 2019 besonders in Atem: Eine große Kellerei in Rheinhessen hatte Übermengen als Schwarzmengen gekauft. Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen bereits im Herbst 2018: Der war geprägt gewesen von hohen Erträgen, so dass viele Winzer Übermengen am Stock hängen ließen, die nicht verkauft werden durften. Hintergrund sind die Regelungen zu Hektarhöchsterträgen, die Weinbaubetrieben nur eine bestimmte Erntemenge erlauben. Dadurch soll die Qualität des Weins sichergestellt werden. 

Anfang Oktober kam der Weinkontrolle zum ersten Mal zu Ohren, dass die Kellerei Übermengen als Schwarzmengen aufkaufe. Die Betriebskontrollen der LUA-Weinkontrolle bei einer Kelterstation und in der Kellerei selbst erhärteten den Verdacht. Das rief auch die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Auch sie durchsuchte in der Folge die besagte Kellerei. 

Bei der Auswertung der sichergestellten Unterlagen, insbesondere der elektronisch gespiegelten Weinbuchführung, fiel den Weinkontrolleuren des LUA auf, dass neben den offiziellen Buchungen auch Buchungen in anderen, verdeckten Registern existierten. Darin war dokumentiert, dass bei der Herstellung der Weine keine Rücksicht auf gesetzliche Vorgaben genommen wurde: So wurden Qualitätsweine verschiedener Herkünfte und Qualitäten zusammen behandelt und gelagert, in einzelnen Fällen auch Bio-Ware mit konventioneller Ware. Beim Verkauf wurde dann die vom Kunden gewünschte Bezeichnung im offiziellen Teil der Buchführung dokumentiert. Tatsächlich standen den Partien diese Bezeichnungen (z.B. Qualitätswein Rheinhessen) aber nicht zu. 

Im Mai 2019 kam es deshalb zu einer zweiten staatsanwaltschaftlichen Durchsuchung, bei der alle Geschäftsunterlagen der letzten Jahre sichergestellt wurden. Die Verkäufe der Weinkellerei wurden durch die Weinkontrolle zu den verschiedenen Kunden verfolgt und dort zu Verarbeitungswein ohne Herkunfts- und Qualitätsbezeichnung abgestuft. Ebenso wurden die gesamten Bestände der Kellerei abgestuft, insgesamt etwa sechs Millionen Liter. Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen die Verantwortlichen dauert noch an.

Zur vollständigen Jahresbilanz zur Weinüberwachung