Lebensmittelbilanz 2019: Kaum Proben gesundheitsschädlich

Bei der Produktion von Lebensmitteln kann es zu Fehlern kommen. Die gute Nachricht: Gemessen an der Menge produzierter Lebensmittel kommen Fehler, die die Gesundheit schädigen können, nur vergleichsweise selten vor. Das zeigt die Bilanz des Landesuntersuchungsamtes (LUA) Rheinland-Pfalz zur Lebensmittelüberwachung für das Jahr 2019.

Lebensmittel müssen sicher sein und es ist Aufgabe der Lebensmittelunternehmen, dies zu gewährleisten. Die amtliche Lebensmittelüberwachung überwacht die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben. „Die Sicherheit unserer Lebensmittel bewegt sich seit Jahren auf einem hohen Niveau. Daran arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesuntersuchungsamtes sowie die Lebensmittelkontrolleure und Tierärzte in den Kreisen und Städten und beim LUA täglich und setzen sich mit großem Engagement dafür ein, möglichen Gesundheitsgefahren sowie fehlerhaften und irreführenden Angaben auf Produkten schnell auf die Schliche zu kommen. Erfreulich ist: Im vergangenen Jahr gab es in keinen Lebensmittelskandal, der seinen Ursprung in Rheinland-Pfalz hatte. Und aus den Vorfällen in anderen Ländern konnten wir für die Arbeit der Überwachung wichtige Erkenntnisse gewinnen und haben diese in Bundesratsanträgen aufgegriffen“, sagte Ernährungsministerin Ulrike Höfken anlässlich der Veröffentlichung der Bilanz der Lebensmittelüberwachung. 

Dazu hat das LUA im vergangenen Jahr 19.688 Proben Lebensmittel quer durch den Warenkorb, Kosmetika und Bedarfsgegenstände wie Spielzeug, Bekleidung oder Schmuck untersucht. Davon wurden 2.188 beanstandet – das entspricht einer Quote von 11,1 Prozent. Im Jahr davor waren es 11,5 Prozent gewesen. „Wie in den vergangenen Jahren geht es bei den meisten Beanstandungen um fehlerhafte oder irreführende Kennzeichnung. Gravierende Verstöße wie etwa Fremdkörper oder mikrobiologische und chemische Verunreinigungen sind deutlich seltener“, stellt Dr. Stefan Bent fest, der Präsident des Landesuntersuchungsamtes.

2019 haben die Sachverständigen des LUA nur 25 Proben als gesundheitsschädlich beanstandet. Die Produkte wurden vom Markt genommen, die Verbraucherinnen und Verbraucher öffentlich gewarnt. Davon war eine Probe Birnen mit einer Menge des nicht zugelassene Pflanzenschutzmittelwirkstoff Amitraz belastet, bei der eine Gesundheitsgefahr für Kindern nicht ausgeschlossen werden kann. In acht Proben fanden sich Fremdkörper, wie z.B. Reste von Pflastern im Buttermilchdessert, Draht im Parmigiano Reggiano oder gar scharfkantige Gegenstände wie eine Injektionskanüle in einer Fertigpackung Schweinenackenbraten. Ein Nahrungsergänzungsmittel enthielt die 12-fache Menge der tolerierbaren Tagesdosis Vitamin B6, was zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

15 Proben waren mikrobiologisch belastet. So enthielten beispielsweise verschiedene Wildfleisch-Rohwürste eines Metzgers verotoxinbildene Escherichia coli Bakterien. Auch das Mehl eines Mühlenladens war mit verotoxinbildenden E.coli belastet. Der Keim Clostridium perfringens wurde in Proben pürierten Sauerbratens aus einem Seniorenheim nachgewiesen, auch das Mittagessen einer Taufgesellschaft war mit diesem Keim belastet. Eine grobe Schmierwurst war mit Salmonella Anatum belastet. Mettwürstchen eines weiteren Metzgers enthielten das Bakterium Salmonella Typhimurium in gesundheitsgefährdender Zahl. Tiramisu aus Eigenherstellung enthielt Salmonella Enteritidis. Allen diesen Keimen ist gemeinsam, dass sie selbst oder die von ihnen gebildeten Toxine Erbrechen und/oder schwere Durchfallerkrankungen auslösen können. Für Menschen mit geschwächtem oder unvollständigem Immunsystem wie Kleinkinder, alte oder kranke Menschen sind sie eine besondere Gefahr.

Internetportal mit Warnungen vor Lebensmitteln 

Wenn davon auszugehen ist, dass gesundheitsschädliche Lebensmittel beim Verbraucher angekommen sind, landen sie nicht nur auf den Internetseiten des LUA, sondern auch im Internetportal www.lebensmittelwarnung.de. Es wird vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) betrieben und von den Überwachungsbehörden der 16 Bundesländer auch unter Verweis auf entsprechende Meldungen der Lebensmittelunternehmer bestückt – für Rheinland-Pfalz vom LUA. Seit dem Frühjahr 2019 können sich Verbraucherinnen und Verbraucher auf der Internetseite auch über gesundheitsschädliche Kosmetika und Bedarfsgegenstände wie Spielzeug, Bekleidung oder Schmuck informieren. Im Jahr 2019 hat das LUA in das Portal insgesamt 119 Meldungen über gefährliche Produkte eingestellt, die nach Rheinland-Pfalz geliefert worden waren oder bei Untersuchungen hierzulande aufgefallen sind. Wichtig: Die Warnung vor nicht sicheren Lebensmitteln ist primär Aufgabe des Lebensmittelunternehmers.

Aufgabe der Kommunen: Kontrolle vor Ort 

Sicherzustellen, dass gefährliche Produkte schnellstmöglich aus den Regalen genommen werden – das ist eine der vielen Aufgaben der Lebensmittelkontrolleure im Land. Die rund 130 Lebensmittelkontrolleure der Landkreise und kreisfreien Städte sowie die rund zwei Dutzend Weinkontrolleure des LUA entnehmen bei ihren Betriebskontrollen nach einem risikoorientierten Probenplan auch die Proben, die das LUA untersucht. 2019 haben die Kontrolleure 43.468 Kontrollbesuche in 24.122 rheinland-pfälzischen Betrieben absolviert. Bei 3.540 Betrieben (14,6 Prozent) wurden Verstöße wie etwa mangelnde Hygiene, bauliche Mängel oder Fehler bei der Kennzeichnung von Speisen festgestellt.

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