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LUA Startseite > Hygiene & Infektionsschutz > Netzwerke gegen multiresistente Erreger

Netzwerke gegen multiresistente Krankheitserreger in Rheinland-Pfalz

Pro Jahr kommt es in Deutschland schätzungsweise zu circa 600.000 Krankenhausinfektionen. Ein Drittel davon wäre nach Meinung von Experten bei konsequenter Hygiene vermeidbar. Viele vermeidbare Infektionen sind durch multiresistente Erreger (MRE) bedingt, wie beispielsweise Methicillin resistente Staphylococcus aureus (MRSA), ESBL-Bildner, Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) oder Carpapenemasen produzierende Bakterien. Diese Erreger sind gegenüber einer Vielzahl von im medizinischen Alltag gebräuchlichen Antibiotika resistent.

Das Problem der multiresistenten Erreger besteht sowohl grenz- als auch sektor- und institutionenübergreifend, z. B. beim Krankentransport von einem Altenpflegeheim in ein Akutkrankenhaus. Es kann daher nach Experten-Ansicht nur im regionalen Zusammenwirken von stationären und ambulanten Einrichtungen gelöst werden.

Bereits im Jahre 2006 hat die Gesundheitsministerkonferenz der Länder (GMK-Beschluss) die Bildung von regionalen Netzwerken angeregt. Seither haben sich viele regionale Netzwerke in Deutschland gegründet - auch in Rheinland-Pfalz. Sie alle haben das gemeinsame Ziel, die Zahl der Infektionen durch multiresistente Erreger zu verringern.

Ein besonderes Vorbild für die Netzwerkarbeit stellt das erste in der Region Twente-Münsterland erfolgreich angesiedelte EUREGIO MRSA-Net dar. Diese Netzwerke sind Kooperationen der verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen. Dem öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) bzw. dem jeweiligen Gesundheitsamt kommt bei der Bekämpfung von MRSA/MRE eine besondere Rolle als Moderator in regionalen Netzwerken zu. Der ÖGD ist die einzige Stelle, die direkte Anknüpfungspunkte mit allen im Gesundheitswesen tätigen Berufsgruppen (Krankenhäuser, Arztpraxen, Alten- und Pflegeheime, Rettungsdienste, Laboratorien etc.) hat.

MRSA-/MRE-Netzwerke in Rheinland-Pfalz

Auch in Rheinland-Pfalz hat der Netzwerkgedanke deutliche Zustimmung gefunden. Quer durch das Bundesland sind bereits zahlreiche regionale und auch überregionale Kooperationen gebildet worden oder befinden sich im Aufbau. Das Landesuntersuchungsamt hat dabei die Funktion einer koordinierenden Stelle der Netzwerkarbeit in Rheinland-Pfalz.

Legende:
Farbig: Stadt/Landkreis ist Netzwerkpartner, farbige Darstellung des Netzwerks   
Weiß: Stadt/Landkreis zurzeit ohne Netzwerkaktivitäten

Bereits existierende Netzwerke:

  • im Norden von Rheinland-Pfalz besteht im Euregio-Netzwerk "Euprevent MRSA" seit 2009 eine grenzübergreifende Zusammenarbeit der Landkreise Daun (Vulkaneifel) und Bitburg-Prüm (Südeifel) mit den angrenzenden Regionen in Nordrhein-Westfalen, in Belgien und der Niederlande. Die Arbeit findet in enger Abstimmung mit den Hygiene-Experten der Universitätskliniken Aachen und Maastricht statt. www.euprevent.com bzw. www.euprevent.com/staticpages/view/home/ 
  • Weiterhin befindet sich der Landkreis Ahrweiler und der Landkreis Neuwied in einem länderübergreifenden Netzwerk in der Rhein-Ahr-Sieg-Region, das unter Federführung des Hygiene-Institutes der Universität Bonn entstanden ist. www.mre-rhein-ahr.net/ 
  • Auch in der Mitte von Rheinland-Pfalz hat sich ein Netzwerkverbund der Landkreise Rhein-Hunsrück, Bad Kreuznach, Mainz und Alzey-Worms sowie Birkenfeld gebildet und seine Tätigkeit in Kooperation mit der Universitätsmedizin Mainz aufgenommen. www.mre-netzwerk-rhein-nahe.de 
  • Schließlich finden auch im Süden von Rheinland-Pfalz weitere konkrete Netzwerkaktivitäten statt. Zu dem umfassenden "MRE-Netzwerk Pfalz" gehören die Städte bzw. Landkreise Germersheim, Landau/Südliche Weinstraße, Neustadt a.d.W./Bad Dürkheim, Kaiserslautern, Donnersbergkreis, Kusel und Pirmasens/Zweibrücken/Südwestpfalz. www.mre-netzwerk-pfalz.de 
  • Weiterhin befindet sich die Stadt Ludwigshafen bzw. der Rhein-Pfalz-Kreis im Verbund mit Netzwerkpartnern in der Rhein-Neckar-Region "MRE-Netzwerk Metropolregion Rhein-Neckar".
  • Der weitere Ausbau des Netzwerkgedankens findet aktuell in der Mitte von Rheinland-Pfalz auf Landkreisebene statt. Aktuell ist ein regionales MRE-Netzwerk im Landkreis Bernkastel-Wittlich entstanden bzw. wird ein MRE-Netzwerk im Landkreis Cochem-Zell (April 2013) gegründet.

Zur besseren Übersicht zum derzeitigen Stand der MRS-/MRE-Netzwerkaktivitäten in Rheinland-Pfalz sind die vorhandenen Netzwerke in der "MRSA-/MRE-Netzwerk-Karte RLP" dargestellt.

Standards setzen - Infektionen verringern

Durch den umfassenden Informations- und Erfahrungsaustausch der Akteure des Gesundheitswesens und der betroffenen MRSA-Patienten und ihrer Angehörigen wird eine Basis zur besseren Prävention von Infektionen geschaffen.

Hierzu sind Fortbildungen, runde Tische und Foren zum Dialog mit allen Akteuren des Gesundheitswesens (Akutkrankenhäuser, Reha- und Nachsorgekliniken, Alten- und Pflege-Einrichtungen, niedergelassene Ärzte, Rettungs- und Krankentransportdienste und andere medizinische Leistungserbringer) in Rheinland-Pfalz und in den benachbarten Regionen erforderlich. Mit wirksamen Strategien, Aufklärung und Einhaltung von hygienischen Standards sollen Infektionen mit multiresistenten Erregern verringert werden.

Qualitätssiegel schaffen einen Anreiz, hygienische Standards in Krankenhäusern und anderen Gemeinschaftseinrichtungen einzuhalten. So gibt es beispielsweise exakte Vorgaben an ein Akutkrankenhaus für die Erlangung eines "MRSA-/MRE-Qualitätssiegels" im Bereich des Netzwerkes der EUPrevent MRSA (Euregio Maas-Rhein), das die hygienischen Anstrengungen der Klinik für jedermann transparent macht. Beispiel: Qualitätssiegel für den Vulkaneifelkreis

Ein konkretes Ergebnis einer übergreifenden, netzwerkartigen Zusammenarbeit ist in Rheinland-Pfalz bereits im Bereich des Rettungsdienstes geschaffen worden. Durch die Formulierung und Festlegung hygienischer Standards bei Infektionstransporten ("Hygiene-Ampel") gibt es in einem wesentlichen Schnittstellenbereich des Medizinbetriebes - z.B. für den Kranken- und Patiententransport zwischen Altenheim und Akutklinik - eine konkrete Arbeits- und Orientierungshilfe. In der täglichen Praxis erleichtern standardisierte Übergabeprotokolle die wichtige Informationsweitergabe.
Hygiene bei Infektionstransporten

Auch der finanzielle Aspekt tritt zunehmend ins Bewusstsein bei allen Beteiligten. Auf Empfehlung der Kassenärztlichen Vereinigung auf Bundesebene hat die Landes-KV die Möglichkeit herbeigeführt, auch im Bereich der ambulanten Versorgung die Kosten für die Diagnostik und Therapie von MRSA-betroffenen Patienten zu übernehmen.
www.kbv.de/mrsa-ebm.html

Seit dem 1. April 2012 gibt es eine differenzierte Vergütungsregelung für MRSA-Patienten im ambulanten Bereich. Die Regelung ist zunächst auf zwei Jahre befristet. Mit der neuen Abrechnungsmöglichkeit soll - neben der Therapie der Patienten - über den EBM auch die Ermittlung epidemiologisch valider Daten ermöglicht werden. KV RLP - MRSA

Der ÖGD hat eine besondere Aufsichtsfunktion in Bezug auf die Einhaltung hygienischer Standards. Er fördert alle Anstrengungen und Prozesse, die dazu dienen, die Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) und von Hygieneverordnungen umzusetzen. In Rheinland-Pfalz wird der Netzwerkgedanke in einer Landesverordnung über Hygiene und Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen (MedHygVO RLP), welche am 1. März 2012 in Kraft getreten ist, besonders betont.

Empfehlungen von Fachleuten wie z.B. der KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch Institut (RKI)) werden bei der Formulierung von Hygienestandards besonders berücksichtigt. KRINKO-Empfehlung Personal und Organisation

Da bei im Krankenhaus erworbenen Infektionen neben grampositiven Bakterien wie MRSA und VRE zunehmend auch multiresistente Erreger im gramnegativen Bereich (MRGN) - beispielsweise ESBL-Bildner, Pseudomonaden und andere gramnegative Bakterien - als Problemkeime festzustellen sind, sind von den Fachleuten der KRINKO aktuell auch für diese Infektionserreger spezielle Hygienemaßnahmen formuliert worden. KRINKO-Empfehlungen Hygienemaßnahmen MRGN